LISA SCHWARZFISCHER, BA,
Referentin für Student Inclusion | TU Wien
Energie sparen heißt nicht weniger leisten
Energie ist eine begrenzte Ressource. Die Frage ist nicht nur, wie wir sie gewinnen, sondern vielmehr, was sie uns kostet.
Jeder Mensch verfügt über ein begrenztes Energiebudget. Für manche Studierende fließt ein großer Teil davon bereits in die Bewältigung von Schmerzen, Reizüberflutung, Ängsten, chronischen Erkrankungen oder den Versuch, Erwartungen zu erfüllen. Kommen unpassende Strukturen oder der Anspruch hinzu, perfekt sein zu müssen, bleibt oft kaum noch Energie für das, worum es im Studium eigentlich geht. Denn im Hochschulkontext sprechen wir viel über Motivation und Leistungsbereitschaft, aber deutlich seltener darüber, wie viel Kraft es kosten kann, diese überhaupt aufzubringen. Perfektionismus wirkt nach außen oft wie Ehrgeiz, ist aber nicht selten Ausdruck von Unsicherheit oder Angst: vor Fehlern, dem Scheitern oder vor dem Gefühl, nicht gut genug zu sein. Er ist nicht nur ein persönliches Thema, sondern entsteht oft auch dort, wo Fehler wenig Raum haben und Leistung ständig sichtbar gemacht wird. Dieser innere Druck kostet wertvolle Energie. Umso wichtiger ist es, Ansprüche nicht mit Selbstüberforderung zu verwechseln und anzuerkennen, dass „gut genug“ im Studienalltag manchmal nicht weniger, sondern genau die gesündere und nachhaltigere Entscheidung ist.
Angst ist mehr als nur ein unangenehmes Gefühl. Sie bindet Aufmerksamkeit, Konzentration und Kraft. Wer mit Prüfungsangst, einer Angststörung oder Panikattacken lebt, kämpft oft nicht nur mit der Prüfung selbst, sondern auch mit den Gedanken davor und den Selbstzweifeln danach. Diese Belastung bleibt für Außenstehende und auch die Hochschule selbst häufig unsichtbar. Viele Studierende entwickeln dabei bereits eigene Strategien, um mit diesen Anforderungen umzugehen. Doch individuelle Strategien können strukturelle Hürden nicht allein ausgleichen. Genau deshalb lohnt es sich, über Angst, Perfektionismus, Panikattacken und Barrieren zu sprechen. Denn es sind Themen, die, wie sich in unserer Arbeit zeigt, viele Studierende betreffen. Die Veranstaltung „MIND YOUR MIND“ der Abteilung Student Support am 23. November im Kuppelsaal der TU Wien lädt dazu ein, diese Zusammenhänge besser zu verstehen und Wege zu entdecken, wie Energie wieder für das Wesentliche frei werden kann.
Gut unterstützt durchs Studium
Barrierefreiheit an der TU Wien heißt: individuelle Unterstützung statt Standardlösung. Studierende mit Beeinträchtigung, chronischer Erkrankung, psychischer Belastung oder anderen studienrelevanten Barrieren können sich vertraulich beraten lassen, etwa zu Prüfungsmodalitäten, Hilfsmitteln, Infrastruktur oder Unterstützungsangeboten.
Hier gibt es mehr Informationen und Beratung
rund um das Thema barrierefrei studieren:
MIND YOUR MIND – Studieren mit Stärke
23. November 2026 | 9:00 bis 13:00 Uhr
Kuppelsaal der TU Wien
Zum Auftakt erwarten euch ein Vortrag sowie eine
Fragerunde zur Therapieplatzsuche. Anschließend
finden mehrere Workshops parallel statt, die sich mit
psychischer Gesundheit, persönlicher Stärkung und
Belastungen im Studienalltag beschäftigen.
Weitere Informationen:
KURZPROFIL
Lisa Schwarzfischer ist als Referentin für Student Inclusion und als
Unterstützung der Behindertenbeauftragten an der TU Wien tätig.
Parallel dazu studiert sie Kultur- und Sozialanthropologie. In ihrer
Arbeit und ihrem Studium beschäftigt sie sich seit mehreren Jahren
mit den Themen Behinderung, Barrierefreiheit und Inklusion.
> lisa.schwarzfischer@tuwien.ac.at