INTERVIEW: MAG.A NATASCHA-SIMONE PAUL
„Plötzlich waren wir eine Gemeinschaft“
TU.impact hat ihren Blick auf Frauen an der TU verändert. Kim
erzählt, warum sie gleich zweimal teilgenommen hat,
was sie
über sich selbst gelernt hat – und weshalb sie heute andere
junge Frauen für Technik begeistern möchte.
|
Warum hast du dich für TU.impact beworben? |
|
Ich habe bereits zweimal bei TU.impact mitgemacht: zuerst im Sommersemester 2025, als das Programm gerade zum ersten Mal unter dem Namen TU.impact Female Empowerment stattfand. Ich bin durch eine Ausschreibung darauf aufmerksam geworden und wusste sofort, dass ich teilnehmen möchte. Wann hat man sonst mal die Möglichkeit, an der TU regelmäßig in einem Raum voller Frauen zusammenzukommen? Mir ist weibliche Solidarität persönlich sehr wichtig und ich nutze gerne jede Chance, diese auszuleben und zu erleben. Für mich stand vor allem der Safe Space im Vordergrund: die Möglichkeit, mit Studentinnen zusammenzukommen, die ähnliche Werte teilen, und sich bewusst dafür Zeit zu nehmen. Das war dann so schön, dass ich es ein Jahr später noch einmal erleben wollte. |
|
Was hast du aus den Workshops und dem Austausch mit den weiblichen Role Models für dich mitgenommen? |
|
Bei den Workshops fand ich besonders schön, dass ich trotzdem immer wieder neue Blickwinkel sehen konnte oder durch gezielte Zeit zur Reflexion noch einmal tiefer gehen konnte. Es war einfach toll, sich bewusst Zeit zu nehmen, um Themen wie Kommunikation oder emotionale Intelligenz, von denen man zwar prinzipiell schon ein grobes Verständnis hat, zu vertiefen und weiter zu schärfen. Im Austausch mit den Role Models fand ich besonders schön, dass alle so offen über ihren eigenen Weg, ihre Erfahrungen und Dinge, die sie jetzt anders tun würden, erzählt haben – und entsprechend auch darüber, was sie uns mit auf den Weg geben möchten. Genau das ist für mich die Definition von Empowerment: sich gegenseitig Mut zuzusprechen und voneinander zu lernen. |
|
Ihr Studentinnen habt Schulen besucht und den TU Tag mitgestaltet. Wie war es für dich, selbst zur Ansprechpartnerin und zum Role Model für Schülerinnen zu werden? |
|
Bei den Schulbesuchen und beim TU Tag war mir vor allem wichtig, die gemeinsame Zeit gut zu nutzen und alles möglichst greifbar zu erzählen. Der Austausch und das Miteinander mit den Schülerinnen haben mir sehr viel gegeben. Man weiß nie genau, wo es am Ende wirklich „fruchtet“, und mir ging es auch weniger darum, dass alle Schülerinnen sich sofort für ein technisches Studium entscheiden, sondern darum, dass sie es überhaupt als realistische Option für sich in Betracht ziehen können. Auch überraschend herausfordernd war es, komplexe Themen, mit denen ich mich selbst schon jahrelang beschäftige, verständlich und für einen Zeitslot herunterzubrechen. Das war dann aber auch ein schönes Learning. Ehrlich gesagt habe ich mich selbst nie bewusst als Role Model gesehen. Für mich ging es vielmehr darum, etwas weiterzugeben, ohne den Anspruch gleich „das Leben von jemandem zu verändern“. |
|
Beim TU Tag habt ihr Stationen passend zu euren Studienrichtungen gestaltet. Was wolltet ihr den Schülerinnen zeigen? |
|
Unsere Station hat die beiden Studiengänge Informatik und Mathematik zusammengebracht, wobei es erst einmal gar nicht so einfach war, zu überlegen, wie wir diese Themen realistisch in eine halbe Stunde gepackt bekommen. Also haben wir uns gefragt, was die Gemeinsamkeit zwischen unseren Studiengängen ist: logisches Denken und analytische Fähigkeiten. Statt einer klassischen Programmieraufgabe, für die alle einen Laptop gebraucht hätten, haben wir uns dann für einen Murder-Mystery- Fall mit verschlüsselten Nachrichten entschieden, den man nur durch Caesar-Cipher-Ver- und -Entschlüsselung lösen konnte. Dabei ging es uns darum, den Schülerinnen die Möglichkeit zu geben, herauszufinden, ob sie Spaß am Knobeln haben und entsprechend auch daran Spaß haben könnten, sich in komplexere technische Themen reinzufuchsen – ohne dass konkretes Vorwissen nötig war. Logisches Denken ist ja auch nicht nur in Mathe oder Informatik präsent, sondern zieht sich durch viele Studiengänge an der TU. |
|
Was hat sich durch TU.impact bei dir selbst verändert? |
|
Vor dem Programm habe ich die Frauen an der TU eigentlich gar nicht richtig als Gemeinschaft wahrgenommen. Es gab höchstens ein, zwei Frauen, mit denen ich ab und zu Kontakt hatte, aber dieses bewusste Miteinander und gegenseitige Unterstützen kannte ich nicht. Durch TU.impact habe ich gemerkt, wie viele starke Frauen jeden Tag an dieser Uni sind, und das hat mich sehr bestärkt. Ich habe auch viel über mich selbst gelernt: zum Beispiel, dass ich noch immer Vorurteile mir selbst gegenüber hatte. Eigentlich habe ich immer gesagt, dass ich „gar nicht so gut“ in Mathe bin. Dabei war ich darin schon in der Volksschule richtig stark, und danach hat mir leider die Gesellschaft erfolgreich eingeredet, dass ich das doch nicht so gut kann. Es hat mir gezeigt: Obwohl ich als Frau in der Technik studiere, hatte ich diese Denkmuster über mich selbst nicht ganz abgelegt. Der geschützte Rahmen hat mir die Zeit gegeben, die ich mir sonst nie nehme, um über meinen eigenen Weg nachzudenken. Und er hat mir bewusst gemacht, wie viel wir als Studentinnen eigentlich schon geleistet und wie viel Mut wir schon bewiesen haben – einfach indem wir hier sind, egal ob im Bachelor, Master oder Doktorat. Das Programm hat mir außerdem gezeigt, dass das Empowerment junger Frauen für Technik ein echtes Herzensthema für mich ist, das ich auf jeden Fall weiterverfolgen möchte. |
|
Was sollte eine Studentin wissen, bevor sie sich bewirbt? |
|
Man sollte sich vorher fragen: Habe ich Lust, mich selbst zu hinterfragen und zu reflektieren? Möchte ich andere Frauen unterstützen und empowern? Das Programm lebt davon, dass man Herz mitbringt und es nicht nur als Pflichtprogramm für ein paar ECTS sieht, auch wenn das natürlich ebenso fair wäre. Ich glaube, besonders profitieren offene Menschen, die gerne lernen und kommunizieren – über sich selbst und andere. Außerdem fand ich es nun gegen Ende des Studiums auch super, um die Partnerfirmen kennenzulernen und zu netzwerken. |
Kurzprofil
- Kim Dennenmoser
- Alter: 27
- Studienrichtung: Wirtschaftsinformatik
- Studienfortschritt: Masterarbeit (Ende Master)
- Karriereziel: ein Thema zu finden, für das ich brenne und mit Freude jeden Tag aufstehe