Im Wintersemester 2026/27 begleiten vier Role Models die Lehrveranstaltung TU.impact - das Female Empowerment Programm der TU Wien, sie werden für eine Q&A Session in die Lehrveranstaltung kommen, werden bei der Podiumsdiskussion teilnehmen und Studentinnen, wie auch Schülerinnen bei der Unternehmensbesichtigung zeigen, wie ihr Arbeitsumfeld aussieht.
Marlene Tüchler
Austrian Power Grid AG
Hattest du ein Role Model?
Ich hatte viele Role Models. Ich darf mich glücklich schätzen, oft weibliche Vorgesetzte zu haben, die mich sehr geprägt haben. Starke Frauen in Führungsrollen zu erleben hat mir gezeigt, was möglich ist, und besonders, wie es sein kann. Vor allem waren es jedoch meine Kolleginnen und Peers, die meine Vorbilder waren und sind: Meine Mitstudentinnen, die einander angefeuert haben und neben ihrer Arbeit im Labor auf Konferenzen vor – hauptsächlich männlichem – Publikum ihre Ergebnisse präsentierten; Doktorandinnen, die aus Liebe für ihre Ausbildung bzw. Arbeit mutig ihre Heimat verlassen haben, um Neues zu lernen; Kolleginnen, die sich als einzige Frau in einem Raum behaupten und sich nicht verstecken, sondern ganz sie selbst bleiben.
Zu sehen, wie Frauen in MINT sich gegenseitig unterstützen und sich füreinander einsetzen hat mich während meiner ganzen bisherigen Laufbahn inspiriert und motiviert und ist für mich zu einem Leitbild in meinem eigenen Umgang mit Kolleginnen geworden.
Warum ist es wichtig, Frauen in der Technik sichtbar zu machen?
Wir leben leider auch heute noch in einer Gesellschaft, in der Frauen und Männer anders sozialisiert werden. Für Frauen bedeutet das oft, nicht zu laut sein zu dürfen, nicht zu anders, nicht zu selbstbestimmt, nicht zu ehrgeizig, nicht zu stark. In MINT-Feldern kommen hier gleichzeitig auch noch die Erwartungen dazu, nicht zu feminin, zu einfühlsam, zu intuitiv zu sein – die Erwartungen sind unmöglich zu erfüllen. Daher finde ich, dass nicht die Frauen sich ändern müssen, sondern die Erwartungen. Meiner Meinung nach sind all diese Eigenschaften Stärken, die sich nicht gegenseitig widersprechen, sondern bereichern. Oft verbinden wir als Frauen mit diesen Eigenschaften Unsicherheit oder sogar Scham. Scham kann nur dann verschwinden, wenn wir andere Menschen sehen, die ähnliche Erfahrungen, Persönlichkeiten, Charakter oder Probleme wie wir selbst haben. Daher ist es in Bereichen, in denen Frauen tendenziell unterrepräsentiert sind, ganz besonders wichtig, all diese Facetten sichtbar zu machen. Es muss Platz für uns Frauen sein - je diverser, lauter, stärker, weicher, intuitiver, selbstbestimmter, einfühlsamer, bunter, desto besser.
Klaudia Ebner
EVN AG
Hattest du ein Role Model?
Ehrlich gesagt hatte ich lange kein klassisches Vorbild. Gerade in meinem Berufsumfeld war ich oft die einzige Frau im Raum, und ich hätte mir damals jemanden gewünscht, der mir Mut macht und zeigt: Auch als Frau kannst du das schaffen.
Was ich aber hatte – und wofür ich sehr dankbar bin – waren Mentoren, die mich gefordert und zugleich stark gefördert haben. Jeder von ihnen hat mir etwas mitgegeben, das mich bis heute prägt.
Mein erster Mentor hat mir beigebracht, visionär und strategisch zu denken, Menschen für meine Ideen zu begeistern und hinter jedem Vorhaben den geschäftlichen Mehrwert zu sehen. Mein zweiter Mentor hat mir gezeigt, wie entscheidend ein gutes Team und eine gesunde Unternehmenskultur sind – und dass man immer auf seine Kolleginnen und Kollegen schauen sollte. Und hier bei der EVN habe ich durch meinen Mentor gelernt zu delegieren, meinen Mitarbeitenden zu vertrauen und sie so zu entwickeln, dass sie eigenständig Verantwortung übernehmen.
Eine Erkenntnis begleitet mich dabei besonders: als Frau die Welt auch mit den Augen eines Mannes zu sehen – und trotzdem du selbst zu bleiben. Stärken und Schwächen gleichermaßen zu zeigen. Bestätigt hat sich das, als ich Alexandra Wittmann kennengelernt habe, unsere heutige Vorständin. Sie hat mir vorgelebt, mir selbst treu zu bleiben und mich nicht zu verstellen – gerade in meinem Berufsumfeld, die nach wie vor stark männerdominiert ist.
Im privaten Umfeld hat mich meine Großmutter stark geprägt: sie war unabhängig, gebildet und zielstrebig, und hat immer offen ihre Meinung gesagt. Das war zu ihrer Zeit alles andere als selbstverständlich – und genau deshalb war sie für mich ein großes Vorbild.
Warum ist es wichtig, Frauen in der Technik sichtbar zu machen?
Ich erinnere mich noch gut: Als ich meinen Eltern erzählt habe, dass ich Wirtschaftsingenieurwesen Maschinenbau an der TU studieren möchte, hat mir meine Mutter davon abgeraten. Ich solle lieber an die WU gehen und BWL studieren – die TU sei nichts für mich, das sei etwas für Männer.
Und genau hier liegt der Punkt: Wer andere sieht, die diesen Weg schon gegangen sind, traut sich selbst mehr zu. Was vorher weit weg und abstrakt schien, rückt auf einmal in greifbare Nähe. Erfolgreiche Frauen in der Technik sind für die nächste Generation der Beweis, dass dieser Weg offensteht – und dass er sich lohnt. Vorbilder helfen der nächsten Generation, das zu tun, was in ihr steckt.
Es klingt vielleicht wie ein Klischee, aber: Du kannst alles erreichen. Manchmal haben Frauen das Gefühl, sie bräuchten erst eine Erlaubnis. Sie fragen sich: „Sollte ich? Kann ich? Traue ich mich?" – und die Antwort ist: Ja, du kannst, und du wirst.
Das Rollenklischee, dass nur Männer in der Technik erfolgreich sein können, ist längst überholt. Gerade junge Frauen sollten sich mehr zutrauen und sich nicht von veralteten Stereotypen abschrecken lassen. Wenn man authentisch bleibt, Leidenschaft für den Beruf mitbringt und den Mut hat, neue Wege zu gehen dann kommen Erfolg und Anerkennung von ganz allein.
Und genau das möchte ich der nächsten Generation mitgeben – in der Hoffnung, dass ich bald nicht mehr die einzige Frau im Raum bin.