Dr. Sabine Koubicek
Spezialistin Forschung und Energietechnik - Wiener Netze
Hattest du ein Role Model?
Ich hatte nicht das eine Role Model – sondern viele, über die Jahre verteilt. Vorbilder tauchen für mich oft in Form von Frauen auf, die in meinem direkten Umfeld Unglaubliches leisten. Eine Professorin, die zwei Kinder fast allein erzieht, weil ihr Partner in einer anderen Stadt arbeitet, hat mich zum Beispiel stark beeindruckt. Von ihr habe ich gelernt, wie wichtig gegenseitige Unterstützung, Austausch und ein realistischer Blick auf die eigenen Ressourcen sind.
Und dann gibt es die weniger greifbaren Vorbilder, wie Katherine Johnson. Ihre Geschichte hat mich tief berührt: eine Frau mit außergewöhnlicher Expertise, getrieben von dem Wunsch, die Welt um sich herum wirklich zu verstehen. Sie war analytisch, beharrlich – und sie hat Brücken gebaut. Sie hat gezeigt, wie man aktiv wird, Möglichkeiten erkennt und Verantwortung übernimmt. Diese Haltung ist für mich ein Leitbild: nicht darauf zu warten, dass etwas passiert, sondern selbst mitgestalten.
Warum ist es wichtig, Frauen in der Technik sichtbar zu machen?
Weil Frauen ein essenzieller Teil unserer Gesellschaft sind – und oft weit mehr leisten, als nach außen sichtbar wird. Viele Bereiche, wie Care‑Arbeit oder organisatorische Verantwortung im Alltag, bleiben unsichtbar. Gleichzeitig gibt es unzählige Erfolgsgeschichten von Frauen, die technische Expertise, Familie, Organisationstalent und persönliche Ambitionen vereinen. Diese Geschichten müssen wir erzählen.
Sichtbarkeit schafft Mut. Sie zeigt jungen Frauen, dass es Wege gibt – auch wenn sie unterschiedlich aussehen können. Sie schafft Blueprints: Wie kann ich Karriere und Kinder verbinden? Wie organisiere ich mich? Was ist realistisch, was ist möglich? Ich mache selbst sicher nicht alles perfekt. Aber mit drei Kindern und einem anspruchsvollen Job bringe ich viele Erfahrungen mit, die ich gerne teile. Und Formate wie TU.impact sind eine Chance, genau das sichtbar zu machen.
Was mir dabei besonders wichtig ist: Rahmenbedingungen zählen. Frauen sollen leistungsbereit sein dürfen, aber sie brauchen auch ein geeignetes Umfeld. Als Eltern gehört es beispielsweise dazu, kurzfristig gehen zu können, wenn das Kind krank ist, oder flexibel zu arbeiten, wenn es notwendig ist. Organisation, Anpassungsfähigkeit und ein unterstützendes berufliches und privates Umfeld sind entscheidend – nicht nur für Frauen, sondern für alle, die Familie und Beruf vereinbaren.