Wie gründen wirklich läuft
Am Anfang stand keine fertige Geschäftsidee, sondern eine Masterarbeit über Energiegemeinschaften. Roman beschäftigte sich mit der Frage, wie sich Photovoltaik-Strom direkt in der Nachbarschaft teilen und verkaufen lässt – damals ein noch junges Konzept. Im Extended Study on Innovation Programms (ESI) des Innovation Incubation Center (i²c) der TU Wien traf er auf zwei weitere Studierende, die sich für die Idee begeisterten. Gemeinsam begannen sie, erste Lösungen zu entwickeln und direkt in einer Energiegemeinschaft im Umfeld von Romans Elternhaus zu testen.
Damit nahm die Idee Fahrt auf. Statt lange an einem fertigen Produkt zu arbeiten, recherchierte das Team, probierte bestehende Lösungen aus und entwickelte Schritt für Schritt eigene Tools. Erste Pilotkund*innen lieferten reale Energie- und Abrechnungsdaten. Kurz darauf folgte das erste bezahlte Projekt und damit der Moment, in dem aus einer vielversprechenden Idee ein konkretes Unternehmen wurde.
Was die drei antrieb, war der Wunsch, Dinge tatsächlich umzusetzen und die Energiewende mitzugestalten. Energiegemeinschaften schienen dafür den richtigen Hebel zu bieten: Energie sollte dort geteilt werden können, wo sie produziert und gebraucht wird.
Der Weg dorthin war allerdings alles andere als einfach. Ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln, die ersten Kundinnen zu gewinnen und die eigenen Pläne immer wieder anzupassen, weil sich das Verständnis für Problem und Nutzerinnen laufend verändert, gehörte zu den größten Herausforderungen. Auch Zweifel blieben nicht aus. Geholfen haben dem Team vor allem offene Gespräche und manchmal schlicht die Bereitschaft, schwierige Phasen auszuhalten.
Kurzprofil
-
Name der Gründer: Lukas Hückel, Roman Öfferlbauer, Jonathan Buchinger
-
Alter: 29
-
Studienrichtungen: Maschinenbau, Physikalische Energietechnik, Informatik
-
Studienphase zum Zeitpunkt der Gründung: Master und Bachelor
-
Name des Spin-offs: sonnnig (sonnnig FlexCo)
Eine wichtige Rolle spielte dabei die TU Wien. Bereits im ESI erhielten die Studierenden Einblicke in Marketing, Business Development und Finanzierung und knüpften Kontakte zu anderen Unternehmen. Im anschließenden Inkubationsprogramm des i²c kamen weitere Workshops, Feedbackrunden und ein wertvolles Netzwerk hinzu. Besonders hilfreich waren Kontakte zu Menschen, die bereits ähnliche unternehmerische Herausforderungen erlebt hatten, sowie Kontakte, die zu ersten Produkttests und Kund*innen führten.
Heute zeigt sich, was aus den ersten Experimenten geworden ist: Über 2.000 Endkund*innen werden über Sonnnig versorgt, mehr als 3 GWh regionale Energie wurden geteilt und abgerechnet und rund 350 Tonnen CO₂ vermieden. Inzwischen sind mehr als 4.000 Zählpunkte in Österreich verbunden. Mit einer gemeinsam mit der Volkshilfe Wien gegründeten Spendenenergiegemeinschaft und einer Seed-Förderung der aws steht bereits der nächste Entwicklungsschritt an.
Was bleibt, ist eine einfache Botschaft für Studierende mit eigenen Ideen: ausprobieren, Erfahrungen sammeln und früh mit den Menschen sprechen, für die eine Lösung gedacht ist. Denn der Weg vom ersten Gedanken zum Spin-off beginnt selten mit einem perfekten Plan, sondern mit dem Mut, den ersten Schritt zu machen.