INTERVIEW: MAG.A NATASCHA-SIMONE PAUL
Why TU: Alles begann mit Gummibärchen
In Why TU erzählen TU-Studierende von ihrem Weg, ihren Erfahrungen und den Momenten, in denen nicht alles nach Plan läuft. Und sie verraten, was ihnen hilft, dranzubleiben und was sie anderen Studierenden gerne mitgeben würden.
Johanna Schindler über ihren Weg an der TU Wien, Forschung, Holzbau und die Energiefrage im Bauwesen
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Johanna, wie bist du ursprünglich an die TU Wien gekommen? |
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Für mich war direkt nach der Matura noch nicht klar, was ich machen möchte. Nach etwas Recherche habe ich einen spannenden Masterstudiengang an der TU gefunden. Da man dafür aber vorher ein technisches Bachelorstudium gebraucht hat, wurde es die Technische Chemie. Meine Tante hat auch schon hier in Chemie promoviert und auch mein Papa und mein Onkel waren an der TU, allerdings im Studiengang Bauingenieurwesen. Ich weiß noch, dass ich bei einem Tag der offenen Tür an der Schule meiner Tante war und sie mit Schüler*innen selbst Gummibären hergestellt hat. Das war mein erster Berührungspunkt mit Chemie und hat mich wirklich begeistert. |
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Welche Möglichkeiten haben sich für dich an der TU Wien eröffnet, mit denen du am Anfang vielleicht nicht gerechnet hättest? |
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Zu Beginn war es für mich immer wichtig, meine zweite Leidenschaft, das Handballspielen (das teilweise mit Auslandsaufenthalten verbunden war), und das Studium unter einen Hut zu bringen. Durch das bessere Betreuungsverhältnis im Vergleich zu manch anderer Uni hat das besser geklappt, als ich am Anfang gehofft hatte. Ich habe auch nicht von vornherein eine akademische Karriere oder ein PhD-Studium angestrebt, aber durch meine Masterarbeit habe ich am wissenschaftlichen Arbeiten Gefallen gefunden. Jetzt erlebe ich täglich, wie einen das PhD-Dasein selbstständiger und organisierter macht und wie es mich auch auf persönlicher Ebene enorm weiterbringt. |
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Du bist derzeit PhD-Studentin im Umfeld von Struktursimulation und Ingenieurholzbau. Wie würdest du jemandem außerhalb deines Fachs erklären, womit du dich in deiner Forschung beschäftigst? |
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Ich beschäftige mich zurzeit mit der mechanischen Charakterisierung von transparentem Holz, einem Material, das die von der Natur bereits optimierten mechanischen Eigenschaften von Holz nutzt und zusätzlich den Vorteil von Transparenz hat. Ich teste das Material sowohl auf der Zellwandebene als auch als „gesamten“ Werkstoff, um zu verstehen, welchen Einfluss die Modifizierung in unterschiedlichen Größenordnungen hat. Meine Ergebnisse können dann für Modelle und Simulationen herangezogen werden, um auch das Verhalten von größeren Proben oder ähnlichen Materialien abzuschätzen, ohne erneut große, zeit- und ressourcenintensive Testkampagnen zu starten. Mit digitaler Modellierung hatte ich in meinen vorangehenden Studien wenig Berührungspunkte und es ist faszinierend zu sehen, welche Möglichkeiten diese bietet: Mehr oder weniger per Knopfdruck erhält man eine Einschätzung dazu, wie sich gleich aufgebaute Materialien in unterschiedlichen Dimensionen verhalten. |
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Unser Magazin steht diesmal unter dem Motto „Feel the Energy“. Beim Thema Energie denken viele zuerst an Strom, Mobilität oder KI. Wo steckt Energie aus deiner Sicht im Bauwesen? |
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Ich glaube, im Bauwesen steckt einiges an Potenzial. Wenn man schon bei der Herstellung von Baustoffen darauf schaut, dass diese ressourcenschonend produziert werden und dann in weiterer Folge möglichst langlebige, aber trotzdem recyclingfähige Materialien heranzieht, kann da einiges an Energie eingespart werden. Außerdem kann man über die richtige Wahl der Werkstoffe auch den weiteren Energiebedarf eines Bauwerks steuern. Wenn man zum Beispiel die Wärmeleitfähigkeit von transparentem Holz und Glas vergleicht, würde Holz den Wärmeaustausch zwischen innen und außen um einiges reduzieren. Somit könnte der Energieverbrauch durch die Raumtemperaturanpassung vermindert werden. |
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Holz wird oft als traditioneller Baustoff gesehen. Was macht Holz für dich zu einem Material der Zukunft? |
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Holz ist ein geniales Material, denn die Herstellung und Optimierung des Rohmaterials übernimmt vollständig die Natur. Wir Menschen können den Rohstoff dann für die unterschiedlichsten Produkte weiterverarbeiten, wobei natürlich hier eine nachhaltige Waldbewirtschaftung vorausgesetzt wird. Oft unterschätzt man, dass Holz im Brandfall eine sehr gute und planbare Performance aufweist. Holz brennt zwar, aber sehr kontrolliert, weil die entstehende Holzkohleschicht das Material darunter schützt. Holz ist aus Sicht der Forschung sehr spannend, weil es in der Mikrostruktur ein hochkomplexes Material darstellt und wir bei Weitem noch nicht alles davon wissen. Wenn wir in Zukunft ressourcenschonender bauen wollen, müssen wir die Materialeigenschaften möglichst gut bestimmen und die gebaute Struktur mechanisch möglichst gut beschreiben – nur so kann man effizient gestalten. |
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Du hast auch bei TU.impact mitgemacht. Was hast du aus dieser Erfahrung für deinen weiteren Weg mitgenommen? |
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Durch TU.impact habe ich mich erstmals wirklich als Wissenschaftlerin wahrgenommen und auch für mich selbst besser anerkennen können, wie weit ich überhaupt schon gekommen bin. Anderen zu erzählen, was man macht und wie man bis hierher gekommen ist, verlangt, dass man selbst noch einmal genau den eigenen Werdegang reflektiert. Außerdem habe ich viele andere beeindruckende Wissenschaftlerinnen kennengelernt und über die Role Models aus der Industrie und den Panel Talk eine klarere Sicht darauf bekommen, wie meine weitere Karriere aussehen könnte. Zusätzlich nehme ich für mich auf jeden Fall mit, dass ich mir den Platz, an dem ich jetzt bin, durchaus verdient habe und immer mal wieder auf meine Leistungen zurückblicken darf. |
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Wenn du nach vorne schaust: Wo möchtest du mit deinem Wissen und deiner Forschung einmal hin? |
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Wo genau ich nach meinem PhD hin möchte, ist mir noch nicht ganz klar, aber ich möchte auf jeden Fall weiter an innovativen und nachhaltigen Materialien arbeiten. Was ich durch TU.impact und die Teilnahme an der Kinderuni gemerkt habe, ist, dass es mir unheimlich Spaß macht, jüngere Generationen für Wissenschaft zu begeistern. Ganz besonders würde es mich freuen, wenn ich es für das eine oder andere Mädchen realistischer mache, sich so einen Karriereweg vorzustellen und an die eigenen Fähigkeiten zu glauben. Also in Richtung Wissenschaftskommunikation oder als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft kann ich mir meinen weiteren Weg durchaus vorstellen. |
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Welchen konkreten Tipp würdest du Studierenden geben, die noch herausfinden möchten, wohin ihr Weg führen soll? |
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Um herauszufinden, was man überhaupt möchte, ist es auf jeden Fall wichtig, Neues zu probieren, eventuell auch Dinge, die einem zu Beginn ein wenig Angst machen oder wo man sich noch nicht vorstellen kann, dass es zu einem passt. Wenn dann mal was nicht so klappt, wie man es gerne hätte, darf man aber nicht den Kopf in den Sand stecken. Man sollte versuchen, Fehler und Herausforderungen als Chance zum Lernen und Weiterentwickeln zu sehen, auch wenn mir das selbst nicht immer so gut gelingt. Vielleicht sollte man es öfter wie Pippi Langstrumpf angehen: „Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe!“ |
Kurzprofil
- Johanna Schindler
- Titel: Dipl.-Ing.in BSc
- Aktuelle Position: PhD-Studentin
- Forschungsbereich: Struktursimulation und Ingenieurholzbau
- Studium: TU Wien
- Schwerpunkt: Simulation, Holzbau und nachhaltige Materialien