TANJA ELGENDY, MSC, Beraterin, Trainerin und Coachin | TU Career Center
Future Skills – Du musst nicht alles können
Was im ersten Job wirklich zählt und warum eine Lernkurve normal ist
Du liest ein Jobinserat und denkst: „Das kann ich nicht." Willkommen im Club. Der Berufseinstieg fühlt sich für viele an wie ein Sprung ins kalte Wasser. Die gute Nachricht: Niemand erwartet, dass du am ersten Tag alles kannst. Entscheidend ist, wie du lernst und wie du dich entwickelst.
Du musst nicht in allem Expert*in sein
Beim Lesen von Jobinseraten fallen oft lange Listen an Anforderungen auf. Aber viele Punkte sind „nice to have". Vielleicht denkst du deshalb, du müsstest erst noch zusätzliche Qualifikationen sammeln, bevor du dich bewerben kannst. Stimmt so nicht. Arbeitgeber innen erwarten von Berufseinsteiger innen nicht, dass sie schon in allem Profis sind. Viel wichtiger sind Motivation und Lernbereitschaft. Faustregel: Wenn du rund 60% der Punkte abdeckst und die Aufgaben dich wirklich interessieren, lohnt sich die Bewerbung.
Dein Studium als Basis
Ein Studium ist keine klassische Berufsausbildung. Deshalb entsteht beim Vergleich mit Jobanforderungen manchmal der Eindruck, es fehle an Praxis. Dabei hast du im Studium zentrale Kompetenzen aufgebaut: Fachwissen, analytisches Denken, Problemlösungsfähigkeit und die Fähigkeit, dich schnell in neue Themen einzuarbeiten. Du hast gelernt zu lernen und genau das ist im Berufsleben entscheidend, weil sich Tools und Technologien laufend ändern. Neben dem technischen Grundwissen zählen im Joballtag vor allem Skills wie Kommunikation, Zusammenarbeit und Urteilsvermögen. Gerade weil KI viele Aufgaben verändert, werden diese Fähigkeiten wichtiger. Das sind die Dinge, die Teams funktionieren lassen. Dein Vorteil ist nicht „alles wissen", sondern schnell besser werden.
Lernen im Job gehört dazu
Nach einem Studium möchtest du vielleicht mit neuen Technologien arbeiten oder dich fachlich weiter vertiefen. Für Arbeitgeber *innen ist es sogar von Vorteil, wenn Berufseinsteiger innen noch dazulernen können und wollen. Denn besonders Akademiker innen wollen gefordert werden, und Lernmöglichkeiten sorgen für Motivation, Entwicklung und Zufriedenheit im Job. Die Arbeitswelt ist ständig im Wandel und Lernen hört nie auf. Deshalb ist es wichtiger lernfähig und neugierig zu bleiben, als schon alles perfekt zu können. Du darfst im Job noch Neues lernen. Durch die direkte Anwendung im Job funktioniert das rasch.
DEIN FOKUS FÜR DEN START
Du musst nicht alles können. Du brauchst einen guten Startpunkt.
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Lies Inserate nach Aufgaben, nicht nach Buzzwords.
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Sag im Gespräch offen, was du schon kannst und was du lernen willst.
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Such dir ein Umfeld mit Entwicklung, nicht nur mit Druck.
Der Berufseinstieg ist kein Test auf Perfektion. Er ist der Moment, in dem du anfängst, dein Wissen in Wirkung zu verwandeln.