Mit Thors Hammer zum Erfolg beim Science Slam

15.12.2016

Slam Champion 2016: Jakob Fellinger

Science Slam-Initiator Bernhard Weingartner, Jakob Fellinger

TU-Physiker Jakob Fellinger wurde mit seiner beeindruckenden Demonstration über aktuelle Forschung zur Atomkern-Uhr zum Slam Champion gekürt. Die TU Wien war mit zwei weiteren anschaulichen und kreativen Beiträgen vertreten.

Am 4. Dezember 2016 wurden beim Science Slam im restlos ausverkauften Wiener Metropol wieder aktuelle Forschungsprojekte verständlich, kreativ und sehr unterhaltsam auf die Bühne gebracht. Dabei war die TU Wien stark vertreten: Physiker Jakob Fellinger eröffnete den Abend mit einer ausgesprochen anschaulichen Einführung in die Quantenphysik. Die Energieniveaus eines Atoms baute er mit verschiedenfarbigen Bierkisten auf der Bühne auf. Ein sportlicher Fachkollege führte dann in der Rolle des Elektrons die Quantensprünge live vor und demonstrierte damit die prinzipielle Funktionsweise herkömmlicher Atomuhren.

In seiner Diplomarbeit bei Prof. Thorsten Schumm (Atominstitut) hat Jakob Fellinger an der Entwicklung einer völlig neuartigen Atomkern-Uhr mitgearbeitet. Statt der Übergänge in der Elektronenhülle sollen dabei die Energieniveaus im Kern eines Thorium-Atoms genutzt werden. Als Metapher für dieses nach dem Donnergott Thor benannte Element schwang er dessen riesigen Hammer und demonstrierte, dass mit dieser deutlich präziseren Atomkern-Uhr in Zukunft noch viel "härtere physikalische Nüsse" geknackt werden könnten als bisher. Falls die Präzisionsmessung nämlich zeigt, dass sich grundlegende Konstanten der Physik im Lauf der Zeit ändern, dann würde das unser Verständnis vom frühen Universum völlig umkrempeln.

Niklas Luhmann (Institut für Sensor- und Aktuatorsysteme) versetzte gleich das gesamte Publikum in die Rolle von Elektronen und erläuterte seine Arbeit im Bereich der Bio-Sensorik durch raffinierte Anregung einzelner "Publikumselektronen" mit Hilfe von Schokobonbons und einer überdimensionalen Wasserpistole. Benjamin Mörzinger vom Institut für Fertigungstechnik und Hochleistungslasertechnik führte den Paradigmenwechsel vom klassischen Maschinenbau-Werkzeug (funkensprühender Winkelschleifer) zum maschinellen Lernen (Laptop) eindrucksvoll vor Augen. Durch die schlaue Auswertung und Interpretation von Sensorsignalen können virtuelle Repräsentationen der Realität erzeugt werden.

Der forensische Anthropologe Lukas Waltenberger (Bournemouth University) demonstrierte, wie man bei halbverbrannten Knochen eines Mordopfers noch Rückschlüsse auf die Tatwaffe ziehen kann und der Völkerrechtler Ralph Janik von der Universität Wien diskutierte ausgesprochen humorvoll die Frage: Kann ich meinen eigenen Staat gründen?

Das begeistere Publikum kürte am Ende des Abends in einem Diskussionsvoting Jakob Fellinger zum Science Slam Champion des Abends. Er qualifiziert sich damit für die Science Slam Staatsmeisterschaft im Mai 2017 und hat die Chance, Österreich beim Europafinale zu vertreten.

Wir wünschen Jakob Fellinger viel Erfolg beim Europafinale! TU-Physiker Bernhard Weingartner, Initiator und Moderator, gratulieren wir zu den erfolgreichen Science Slams – und zum heutigen Geburtstag!

Fotos (c) Roland Rudolph

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