drucken
TopThema - Technik Report 2009
Prognosen und Zukunftsszenarien am Arbeitsmarkt für AbsolventInnen der Technischen Universität Wien

Ziel des Technik Reports 2009 "Zukunftschance: Technikstudium" ist es, dem viel zitierten TechnikerInnen-Mangel in Österreich mit konkreten Zahlen auf den Grund zu gehen. Ein besonderer Fokus wird auf die Situation an der TU Wien und den Arbeitsmarkt in Ostösterreich (Wien, Niederösterreich, Burgenland) gelegt.


Erfahren Sie im Technik Report 2009 alles zur Entwicklung der Studierenden- und AbsolventInnenzahlen an der TU Wien und zum Arbeitsmarkt für AkademikerInnen in Technik und Naturwissenschaft.




Laut dem errechneten Prognosemodell zur Vorhersage der Abschlusszahlen an der TU Wien in den kommenden vier Jahren wird die Anzahl der Neugraduierten zwischen 2009 und 2012 von Jahr zu Jahr ansteigen.

 

Die Wachstumsrate beträgt im laufenden Jahr im Vergleich zu 2008 immerhin 7,35% und verringert sich 2010 auf 5,25% sowie 2011 auf 5,41%. Von 2011 auf 2012 wird die Anzahl der AbsolventInnen nochmals um rund 5,1% steigen. Insgesamt vergrößert sich die Anzahl der Studienabschlüsse von 2.094 im Vorjahr auf 2.620 zum Ende des Prognosezeitraums, das entspricht einem Zuwachs von 526 StudienabgängerInnen bzw. 25,12% in vier Jahren.

Die Arbeitsmarktchancen in den klassisch ingenieurwissenschaftlichen Studienrichtungen der TU Wien sind auch in Zukunft als hervorragend einzuschätzen. Selbst wenn die Anzahl der Stellenangebote 2009 nochmals gleich stark zurückgeht wie von 2007 auf 2008, gibt es in diesen Studienrichtungen alleine in Ostösterreich deutlich mehr offene Positionen als Neugraduierte der TU Wien.

In Bauingenieurwesen und Infrastrukturmanagement übersteigt unter dieser Annahme die Anzahl der Stellenangebote die Menge der Studienabschlüsse um 206 Positionen. Pro Absolvent/in der TU Wien ergeben sich auch 2009 noch rund drei freie Stellen in Ostösterreich. Die Anzahl der Stellenangebote könnte im laufenden Jahr sogar um ca. zwei Drittel zurückgehen und es gäbe immer noch exakt eine freie Stelle pro Absolvent/in.

Noch dramatischer stellt sich der Mangel an AbsolventInnen 2009 in Maschinenbau und Verfahrenstechnik dar. So gibt es selbst bei einem weiteren Rückgang der Stellenangebote in Maschinenbau im Vergleich zu den Abschlusszahlen rund viermal so viele offene Positionen, in Verfahrenstechnik sind es gar zehnmal so viele. Um ein Verhältnis von einem Stellenangebot zu einem/einer Neugraduierten zu erreichen, könnte der Stellenmarkt in Maschinenbau im Jahr 2009 um 81%, in Verfahrenstechnik um 93% zurückgehen.

In Elektrotechnik und Informatik hingegen beginnt sich die Lücke an AbsolventInnen bei einem hypothetischen weiteren Rückgang am Stellenmarkt zu schließen. In Elektrotechnik gibt es in diesem Fall in Ostösterreich nur mehr 20, in Informatik nur mehr 23 Stellenausschreibungen mehr als Neugraduierte der TU Wien verfügbar sind. In diesen beiden Studienrichtungen präsentiert sich der Arbeitsmarkt also bei einem gleichbleibenden Rückgang an Jobangeboten relativ ausgeglichen. Um in Ostösterreich exakt einen Job pro Absolvent/in der TU Wien zu gewährleisten, könnte sich die Anzahl der offenen Positionen in Elektrotechnik um ein Drittel und in Informatik um rund 15% reduzieren.

In den beiden technisch-wirtschaftlichen Studienrichtungen, also in Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen-Maschinenbau, setzt sich der Mangel an AbsolventInnen am Arbeitsmarkt fort. In Wirtschaftsinformatik fehlen in Ostösterreich 2009 noch 113 Neugraduierte, in Wirtschaftsingenieurwesen-Maschinenbau beträgt die Lücke 83 AbsolventInnen. Selbst wenn die Anzahl der Stellenauschreibungen in Wirtschaftsinformatik um 42% bzw. in Wirtschaftsingenieurwesen-Maschinenbau um 69% zurückginge, gäbe es 2009 immer noch einen Job pro Absolvent/in.

In den drei technisch-naturwissenschaftlichen Studienrichtungen hingegen übersteigt die Anzahl der AbsolventInnen bereits die Menge der Stellenangebote, es ist schon 2009 nicht mehr für jede/n Studienabgänger/in eine ausbildungsadäquate, freie Stelle gewährleistet. In Technischer Chemie gibt es an der TU Wien 22 AbsolventInnen mehr als freie Stellen am Arbeitsmarkt in Ostösterreich ausgeschrieben sind, in Technischer Physik sind es 58. Besonders stark betroffen ist die Technische Mathematik, da die Anzahl der Stellenausschreibungen in diesem Bereich im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise mit einem Rückgang von 61% besonders stark abnahm. 2009 wird es unter der Annahme eines gleich starken Rückgangs am Stellenmarkt bereits dreimal so viele StudienabgängerInnen wie Vakanzen geben. Um wieder für jede/n Studienabgänger/in eine freie Stelle sicherstellen zu können, müsste die Anzahl der ausgeschriebenen Vakanzen in Technischer Chemie 2009 um rund 3%, in Technischer Physik um 19% und in Technischer Mathematik sogar um 48% steigen.

Die bereits in der jüngeren Vergangenheit schlechten Beschäftigungsaussichten für ArchitekturabsolventInnen werden sich bei anhaltend starkem Rückgang der Stellenangebote weiter verschlechtern. 2009 wird es unter diese Annahme nur mehr ca. für jede/n achte/n Studienabgänger/in eine adäquate, fachspezifische Position geben. In Geodäsie und Geoinformatik werden 2009 um elf Stellen weniger ausgeschrieben als es Neugraduierte gibt, in Raumplanung und Raumordnung sind es 46 fehlende Stellenangebote. In diesen drei Studienrichtungen müsste die Anzahl der Jobangebote 2009 deutlich zunehmen, um für jede/n Neugraduierte/n eine freie Stelle gewährleisten zu können: in Architektur um 248%, in Geodäsie und Geoinformatik um 125% und in Raumplanung und Raumordnung um 265% - in den beiden letzteren Studienrichtungen bedeutet das allerdings aufgrund des niedrigen Niveaus der Stellenausschreibungen einen nur geringeren absoluten Zuwachs um 11 bzw. 46 Positionen.

Angesichts dieser Prognosen und Zukunftsszenarien für den Arbeitsmarkt in Technik und Naturwissenschaft wird sich der Mangel an Neugraduierten in technischen, technisch-naturwissenschaftlichen und technisch-wirtschaftlichen Studienrichtungen trotz steigender Abschlusszahlen in Zukunft mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit fortsetzen. Es ist weiterhin mit Rekrutierungsengpässen in der Personalsuche zu rechnen. Umso wichtiger erscheinen trotz der derzeit schwierigen Wirtschaftslage antizyklische Rekrutierungsaktivitäten und langfristige Strategien des Employer Brandings für Unternehmen, die nach AkademikerInnen in Technik und Naturwissenschaft suchen. Je stärker man die eigene Arbeitgebermarke in der Zielgruppe der TechnikerInnen und NaturwissenschafterInnen platziert und je eher man als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen wird, umso Erfolg versprechender werden Rekrutierungsaktivitäten in dieser ausgesprochen stark nachgefragten Zielgruppe sein.

 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA
Kernaussagen zum Thema "Entwicklung der Studierenden- und Abschlusszahlen an der Technischen Universität Wien"
Kernaussagen zum Thema "Aktuelle Entwicklungen am Arbeitsmarkt für AkademikerInnen in Technik und Naturwissenschaft"
Prognosen und Zukunftsszenarien am Arbeitsmarkt für AbsolventInnen der Technischen Universität Wien
zum TopThema-Archiv >>